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Gastartikel einer Reise-Autorin: Reisen mit dem Wohnmobil boomen

Als Reise-Autorin und Wohnmobilbesitzerin mache ich mir meine Gedanken. Die Mobile werden immer teurer, Wohnwagen auch, und die Preise der Camping- und Stellplätze ziehen überproportional an. Woran liegt das? Und ist ein Ende in Sicht? Ich bin leidenschaftliche Autorin für Reise-Themen und sehe einen ganz klaren Trend auf dem Markt.

Warum Reisen mit dem Wohnmobil immer beliebter werden, hängt nicht zuletzt mit der Coronakrise zusammen. Der Boom erklärt sich jedoch nicht nur damit. Wenn noch vor einigen Jahren die Niederlande als das Campingland schlechthin gegolten haben, kommen die  Deutschen bei der Beliebtheit immer dichter an die Holländer dran. Ungefähr 55 Tage pro Jahr ist ein Camper mit seinem Fahrzeug unterwegs.

Fast 20 Millionen Deutsche haben bereits einen Camper oder beabsichtigen einen zu kaufen. Für 1/3 von ihnen ist die Corona-Pandemie Ursache für den Kauf eines mobilen Heims, fast die Hälfte aller Deutschen liebt das Caravaning wegen der Freiheit und Abenteuer. Knapp 20 % der Reisewilligen möchten Flug- und Schiffsreisen vermeiden und 15% von ihnen machen Urlaub im eigenen Van aus ökologischen Gründen. Ende 2021 gab es mehr als 1,5 Millionen zugelassene Wohnmobile und Wohnwagen.

Knapp 81.500 Neuzulassungen gab es im Jahr 2021.

Was für Auswirkungen hat der Camping-Boom auf die Kosten und die Auslastung der Camping- und Stellplätze? Wohin reisen die Deutschen am liebsten? Diese und andere Fragen sollen in dem Artikel beleuchtet werden.

Weshalb lieben die Deutschen das Campen?

Als Hauptgrund wird die Unabhängigkeit von Hotels, festen Essenszeiten, Reisezielen und Kinderfreundlichkeit genannt. Gefällt es an einem Ort nicht, hat besonders der Wohnmobilist die Freiheit, am nächsten Tag weiterzufahren. Aber auch die Kosten spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Werden in der Hauptsaison an der Ostsee für eine 4-köpfige Familie in einem Apartment  pro Nacht 100,00 € und mehr verlangt, sind dies auf einem guten Campingplatz die Hälfte oder weniger.

Im Wohnwagen oder Camper kann selbst gekocht werden, was in einem Apartment oder Hotel nicht möglich ist. Durch Essen gehen wird die Urlaubskasse extrem belastet. Wer selbst kochen kann, spart eine Menge Geld und hat mehr für Ausflüge und Aktivitäten zur Verfügung.

Kinder sind auf einem Campingplatz sehr gut aufgehoben. Es gibt Spielplätze, Beschäftigungsangebote, Schwimmbäder und diverse Freizeiteinrichtungen auf den größeren Plätzen, was Eltern sehr zu schätzen wissen. Freundschaften bilden sich schnell und Langeweile kommt kaum auf.

Die Kinder können Essen, wann sie wollen und nicht dann, wann das Hotel serviert. Diese Vorzüge werden von immer mehr Familien geliebt.

Dazu kommt, dass die Natur sehr nahe ist, das tägliche Leben findet draußen statt. Fernseher, Gameboys, Smartphones und weitere Medien sind zweitrangig, was vielen Kindern guttut. Dafür gibt es abends häufig Gesellschaftsspiele, was den Familienzusammenhalt fördert.

All dies zusammen genommen wiegt für viele die hohen Anschaffungskosten auf. Ein Ende ist nicht in Sicht, und erste Schätzungen gehen davon aus, dass der Boom zwar gebremst, aber noch nicht zu Ende ist. Flugreisen sind wieder erlaubt, aber viele Menschen, die vorher nichts mit Campen am Hut hatten, sind auf den Geschmack gekommen.

Haben sie sich eventuell im ersten Jahr noch ein Mobil oder Wohnwagen gemietet, möchten sie nun ein eigenes haben. Besonders der Gebrauchtwagenmarkt ist nach wie vor wie leergefegt.

Kostensteigerung par excellence

Die Kostensteigerung von Wohnmobilen ist am augenfälligsten. So stiegen gebrauchte Camper um durchschnittlich 1/3 im Preis an. Besonders auffällig ist der Anstieg bei Mobilen die älter als 8 Jahre sind. Kostete 2020 ein gebrauchtes WOMO noch durchschnittlich 33.700 € auf mobile.de, so kostete im gleichen Monat 2021 der Van schon 45.000 €.

Daraufhin interessierten sich viele Camper auch für Fahrzeuge zum Selbstausbau. Besonders der Caddy und Vito stiegen im Preis unverhältnismäßig an.

Bei Neuwagen ist derselbe Trend zu beobachten. 2020 kostete ein durchschnittliches Fahrzeug bis 4 Personen Zulassung noch 54.000 €, 2021 bereits 65.000 €. Wartezeiten bis zur Auslieferung betragen bis zu einem Jahr. Am begehrtesten sind Kastenwagen, vor allem bei jüngeren Neucampern.

Nicht nur Wohnmobile, nein auch Wohnwagen sind unverhältnismäßig teuer geworden. Neue Modelle kosteten 2020 noch ca. 25.000 €, 2021 bereits 17% mehr.

Gründe für die Kostensteigerung

Wie in der gesamten Wirtschaft bilden Angebot und Nachfrage den Preis bei gebrauchten Fahrzeugen. Ist der Markt durch die gestiegene Nachfrage wie leergefegt, können Händler und private Verkäufer Preise fast beliebig erhöhen. Es dauert lange, bis beim Kunden die Schmerzgrenze erreicht ist. Er möchte ja unbedingt ein Fahrzeug für den nächsten Urlaub erwerben.

Neufahrzeuge haben mehrere Faktoren, die für die Preissteigerung ursächlich sind:

  • Gesteigerte Nachfrage
  • Höhere Produktionskosten
  • Höhere Materialkosten
  • Längere Lieferzeiten für Bauteile
  • Gestiegener Anspruch der Kunden an Funktionalität
  • Gestiegener Anspruch an erlaubter Zuladung -> hochwertige Komponenten mit geringem Gewicht
  • Lange haltbare Materialien

Es kommt bei einigen Herstellern sogar vor, dass bestellte Fahrzeuge zu einem bestimmten Preis teurer werden, trotz anderem Vertrag. Ist der Kunde nicht bereit, dies zu leisten, bekommt er sein ersehntes Mobil oder seinen Wohnwagen nicht – der nächste Kunde freut sich. Das ist rechtlich erlaubt, so denn der Hersteller den höheren Preis begründen kann. Bei Preissteigerungen von Material und  Produktionskosten hat der Kunde keine Handhabe, wenn der Erbauer des Wohnmobils dies nachweisen kann.

Für mich als Autorin für Reisethemen bedeutet das, dass die Hersteller machen können was sie wollen. Moral und Verpflichtung gegenüber der Kundschaft wird hintenangestellt. Es ist nämlich nicht immer nachvollziehbar, ob die nachträgliche Preiserhöhung tatsächlich nur den erhöhten Kosten oder nicht vielleicht doch dem Gewinn geschuldet sind.

Kommen die Camping- und Stellplätze diesem Boom hinterher?

In beliebten Urlaubsregionen Deutschlands gibt es von jeher eine größere Zahl an Campingplätzen.  3055 Campingplätze gab es 2020, die in Urlaubszeiten nahezu komplett ausgebucht waren. 2021 entstanden jedoch nur 6 Plätze mehr, und das bei einem überproportionalen Zuwachs an Wohnmobilisten und Campern.

Wenn sich dieser Boom fürs Campen weiter entwickelt, müssen zwingend mehr Camping- und Stellplätze geschaffen werden. Ansonsten genügt auch das ständig steigende Angebot von Bauernhöfen, Winzern und Privatpersonen nicht.

Diese haben den Bedarf erkannt und bieten zumindest Wohnmobilbesitzern ein kostenfreie Übernachtung an. Die Bedingung für die kostenlose Nutzung: der jährliche Erwerb es „Landvergnügens“. Darin enthalten ist eine Vignette, mit der die kostenlose Nutzung für 24 Stunden auf den teilnehmenden Höfen gewährleistet wird. Winzer und Landwirte haben sich zusammengeschlossen und erhalten vom Verkaufspreis des Landvergnügens einen Anteil.

Mehr als 1300 Höfe in ganz Deutschland beteiligen sich daran. Sie machen das nicht aus Eigennutz, sondern erhoffen sich durch die Besucher höhere Umsätze in ihren Hofläden, Winzereien und angeschlossenen Gaststätten.

Trotzdem genügen diese Stellplätze in der Hauptsaison nicht, und Wohnwagenbesitzer können dort wegen der fehlenden Infrastruktur gar nicht übernachten.

Vor der Corona Pandemie nutzten viele Camper die Möglichkeit, dass ohne Campingverhalten eine Nacht zur Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit geparkt werden durfte. Im Zuge der Pandemie wurde das aber rigoros geahndet, da es überhandnahm. Es entstand das Problem, dass viele Camper ihren Müll nicht mitgenommen haben. Toiletten wurden einfach in der Natur entleert und das Abwasser aus den Mobilen in Gullys ablaufen lassen.

Deshalb ist inzwischen das freie Stehen komplett verboten.

Welche Lieblingsziele haben deutsche Camper?

 Das beliebteste Urlaubsziel der Deutschen ist das eigene Land.  Daran hat Corona einen nicht unerheblichen Anteil, da 2020 und 2021 viele europäische Ziele nicht möglich waren. Das war schon vor der Pandemie so und hat sich durch sie noch verstärkt. 27,2 % aller Campingfreunde sind hier geblieben, gefolgt von Italien mit 20,5 % und Kroatien mit 17,2 %.

Innerhalb Deutschlands führt ganz klar die Ostsee, gefolgt vom Harz, dem Schwarzwald, Chiemgau, Erzgebirge, Nordsee, Bodensee und Eifel.

Und genau in diesen Gebieten fehlen Camping- und Stellplätze hinten und vorne. Die Landwirte und Winzer werden zwar immer mehr, aber diese haben ihre Höfe normalerweise genau dort nicht. Die Anwesen liegen eher abseits vom Trubel und den Touristenhochburgen. Das finden viele Camper gut, aber vor allem Familien möchten im Meer baden, Kontakt zu anderen Familien und nicht jede Nacht woanders stehen.

Autorin: Alice Kilimann

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